Seele schaurig-schön erschreckt

Gänsehaut bei Hans Schwabs gruselig-wahren Geschichten in Ichenhausen

Ichenhausen (mde). Ein Mime war da - und was für einer! Hans Schwab, Schauspieler, Geschichtenerzähler und Pantomime, riss mit seinem Programm "Schaurig ... schön!" das Publikum mit Leib und Seele von den Sesseln der Dilldapper Bühne. Pianistin Anja Hoffmann und Regisseurin Ronka Nickel waren ihm dabei sensibler Hintergrund, Orchester und Mitspieler zugleich.

Die Schatten der Kerzen im geheimnisvoll beleuchteten Dilldapper flackerten wie die großen und kleinen Gefühle, als der geniale Schauspieler Hans Schwab dem „hochverehrten Publikum“ mit Melodramen und Balladen um Liebe, Leid und Lust zu Leibe rückte. Es dauerte, um Lewis Caroll zu zitieren, nur eine „Zipferlake“ lang, und schon erreichte der Mime, was er zuvor versprochen hatte, „die Seelen schaurig-schön zu erschrecken“. Dass so etwas zwischen Fußball und Fernsehen heute noch mit Fontane, Hebbel oder gar Schiller möglich ist, bewiesen der leidenschaftliche Spieler Schwab und seine Begleiterin Anja Hoffmann eindrucksvoll. Gegen alle oberflächlichen Vorurteile machten sie spürbar, dass Literatur „supercool“ ist, wenn sie nicht in Langeweile aufgekocht wird.

Was Hans Schwab an schauspielerischem Können zu leisten vermag, bewies er bereits auf großen Bühnen und in den Staatstheatern von Ulm, Bielefeld, Paderborn, Freiburg und Karlsruhe. Seine Fähigkeiten, zusammen mit anderen auf höchstem Niveau lustvoll zu unterhalten bewies er als Gründer der „Compagnia Mobile - Theater im Zelt“ und als Gründer und Leiter des „Fresche-Kellers“ in Ortenberg bei Frankfurt. jetzt ist er für eine Weile" zu seinem Lieblingsfach zurückgekehrt, dem selbstbestimmten Bühnenspiel.

Mit seinem Programm „Schaurig...schön“ deckte er das moderne, weltferne Horrorgeschäft mit literarisch-schaurigen Mitteln auf und setzte Erschrecken auf höchstem Niveau dagegen. Genial mischte er die hochaktuelle Terror-Wahrheit von Fontanes „Brücke am Tay“ mit Schillers nur scheinbar ritterlichem „Handschuh“, Fontanes leichenfleddernde „Raben“ mit Herders mörderischem „Edward“ oder Lenaus vom Reueteufel besessenen „Traurigen Mönch“ mit Wildenbruchs „Hexenlied“. Heraus kam ein von Liszt, Schilling, Schumann und Loewe musikalisch beseelter Abend, der so aufregend war wie drei Krimis. Da war am Schluss keiner, der nicht gehofft hätte, dass die Liebe des Mönches die Flammen des Scheiterhaufens besiegen würden, die durch sein Fehlurteil am Fuße der Hexe züngelten. Hans Schwab machte schaurig-schön deutlich, dass hinter vermeintlich antiquierten Melodramen und Balladen mehr Wahrheit steckt, als hinter noch so schrecklichen Halloween-Masken.Schaurig ... schön: Hans Schwab bereitete mit Melodramen und Balladen einen spannenden Abend.


Da hätte ich noch eine Stunde zuhören können

Lich (ri). »0, schaurig ist's übers Moor zu gehen.« Mit den ersten Zeilen aus Droste-Hülshoffs »Knabe im Moor« stimmt Hans Schwab, Schauspieler und Leiter des »FrescheKeller«-Theaters in Ortenberg am Mittwoch seine Gäste im Licher »Traumstern« auf einen überaus spannenden Abend ein, denn »Schaurig ... Schön« heißt sein jüngstes Projekt über Melodramen und Balladen um Liebe, Lust und Leid. Am Klavier sitzt Anja Hoffmann, die in vollkommener Harmonie mit dem Schauspieler mal leise Zwischenmusik bringt, herrlich die Geräusche oder Tierstimmen nachahmt. oder im forte mit dem Gesang des Schauspielers konkurriert.

 Hans Schwab braucht keine großartige Kulisse, nur einen schmalen Vorhang hinter sich, den er mal wie ein Tuch um den Kopf schlingt, wenn eine Mutterrolle zu spielen ist, der stürmische Meeresbewegungen vortäuschen kann oder einen schnellen Kostümwechsel verdeckt. Kerzen, Feuer, eine kleine Laterne, zum Ende hin ein bescheidener Thronsessel, das sind die Requisiten auf der abgedunkelten Bühne. Die Gäste im Saal brauchen nicht mehr, sie schauen mehr auf die faszinierende Mimik und Gestik, horchen auf die ständig in Lage und Ausdruck wechselnde Stimme des Schauspielers, der aus schaurigen Gedichten schöne Theaterstücke macht.

Dankt man ihm nach dem zungenzerbrecherischen »Zipferlake« von Lewis Cromwell noch mit Lachen, so läuft es einem bei seinem Hexengekicher in der »Brücke am Tay« (Theodor Fontane) schon eiskalt den Rücken hinunter. Hans Schwab kann mit den »Flüchtlingen« (Percy Shelley) oder dem »Traurigen Mönch« (Nicolaus Lenau) weinen und leidet mit den drei Reitern, die nach verlorener Schlacht schwer verwundet ihren Heimweg nicht mehr schaffen. Spaß gibt es trotz »Sturm und Gefahr« bei »Nis Randers«,  (schließlich hat diese Ballade von Otto Ernst ja auch mal einen guten Ausgang), als Hans Schwab in schönstem Ostfriesisch Nis und seine tapferen Freunde zur Rettung des Schiffbrüchigen ins Boot »s-springen« lässt.

Schrecklich und grausam klingt seine Stimme bei den »Drei Raben« (Fontane) und schauerlich beim »graut Liebchen auch vor Toten?« in »Leonore«. Auch in den 32 Strophen dieser Bürgerballade um die Braut, die mit dem Liebsten in den Tod reitet, leistet sich Hans Schwab keinen Versprecher, kein Zögern, die Spannung bleibt. Letzter Höhepunkt vor einer kurzen Pause ist das Melodram »Edward« (J. G. v. Herder).

Stockdunkel - kurze Pause! - Der zweite Teil des Abends ist ausgefüllt mit dem »Hexenlied« (Ernst v. Wildenbruch), der gar schrecklichen Geschichte des Mönchs, der bis zu seinem Tod nicht vergessen kann, dass er einst eine schöne junge »Hexe« liebte, sie aber nicht vor dem Verbrennen bewahren konnte.

Anja Hoffmann und Hans Schwab müssen sich bei dem anhaltenden Applaus oft verbeugen, bringen trotz der ungeheuren Beanspruchung drei lustige Zugaben. »Wollen Sie noch was hören?« fragt der Rezitator und deklamiert auf Wunsch acht Strophen von Schillers »Taucher«, lacht dann und beendet nach zwei Stunden den Abend mit einer lustigen Kurzform dieser beliebten Ballade. »Da hätte ich gut noch eine Stund ' e zuhören können«, sagt eine Besucherin am Ausgang zu ihrer Freundin.

(Giessener Allgemeine Zeitung)


Hoch lebe die Schauerballade!

Hans Schwab erinnert an vergessene literarische Gattung

LICH. Die Erfolge des Horrorgenres sind unübersehbar: Egal, wie das Leben läuft, die Menschen lassen sich gern erschrecken. Geschieht das auch noch auf dem genreuntypischen hohen Niveau literarischer Texte und klassischer Melodien, dürfte es sich um eine Ausnahmeerscheinung im Schaugeschäft handeln.

Genauso ist es bei Hans Schwab, der am Mittwoch im Licher Kino "Traumstern" das Publikum restlos für sich einnahm. Das Motto des Abends lautete "Schaurig...schön".

"Melodramen und Balladen um Liebe, Lust und Leid" - eine finstere Sache soll es werden, davon kündet ein dunkelblauer Samtvorhang, eine Kerze wirft aus einer Laterne ihr Schummerlicht auf die Szene, man sieht gerade noch die Hand vor Augen im Kino, und ein paar Zuschauer haben sich sicherheitshalber gleich ein paar Reihen weiter hinten platziert.

Formvollendeter Aufgang. Schwab trägt einen dunklen Anzug mit Cape, und sein Gesicht ist weiß geschminkt mit dunklen Augenhöhlen, eine Mischung aus Clown und Vampir lugt todernst von der Bühne herunter. Und ein bisschen Zirkus ist nicht zu übersehen, in der ersten Hälfte riecht es wie zu Silvester, so viel Rauch und Feuer ist auf der Bühne am Puffen und Zischen. Doch das ist Beiwerk, professionell gestaltetes allerdings; Hans Schwab ist vor allem ein ausgezeichneter Rezitator.

Die Lieder des Abends, manche werden gesungen, sind Klassiker der. Literatur: Lewis Carrolls „Zipferlake“, Theodor Fontanes „Brücke am Tay“ sind zu hören, die Kombination von Percy B. Shelley und Robert Schumann ergibt "Die Flüchtlinge" - die Reihe ist lang. Das Schöne ist zum einen Schwabs kultivierte Stimme, mit der er die Texte bis in die Endsilben hinein durchgestaltet, sie besitzt ein wunderbares Timbre, das genau dem ähnelt, das den Schauspieler und Sprecher Joseph Pelz von Felinau zum Lieblingserzähler einer ganzen Generation machte. Und er weiß sie zu nutzen. Beileibe nicht nur, doch besonders bei „Nis Randers“ (von Otto Ernst, Musik von Ferdinand Hummel), der friesischen Sturmsage, fließen die Elemente auf der Bühne zusammen: Mit dem Vorhang mal als Kopftuch für die Mutter oder als Umhang für den Helden changiert das Bild schnittartig zwischen den Perspektiven, während Anja Hoffmann das Klavier sausen und dröhnen lässt, dass es eine Art hat. So genießt man die souveräne Mischung hochwertiger Texte, vorgetragen in vollendet dramatischem Gestus, unterstützt von adäquater Stimmungsmusik.

Im zweiten Teil präsentiert der versierte Deklamateur das „Hexenlied“ Ernst von Wildenbruchs mit der Musik Max Schillings. In dieser Sage vom Scheitern eines

Mönchs, den sein Mitgefühl das Gelübde vergessen lässt, ziehen Schwab und Hoffmann noch mal alle Register, und der Zuhörer kann in einem perfekt gestalteten Melodram versinken, in dem sich Sprachschönheit, Wiedergabezauber und musikalische Untermalung zu einem prickelnden sinnlichen Erlebnis runden: Da capo!

(Giessener Anzeiger 17.5.02)    

 

Horror nach Altväter-Art

Schaurig-Schönes im Saarbrücker Ostviertel


Saarbrücken. Düster war's. Schummriges Rotlicht stülpte der kleinen Bühne im Ostviertel einen gespenstischen Schleier über. Eine betagte Laterne, Kunstnebel-Schwaden und stinkende Rauchkerzen taten ein Übriges. Bis hin zu Knallerbse und Pistolenschuss reichten am Wochenende die Grusel-Accessoires bei "Schaurig... Schön".

Unter dem verheißungsvollen Titel entführten Hans Schwab und Anja Hoffmann (Regie: Ronka Nickel) in die Ära von Ballade und Konzert-Melodram, beides typische Kunstformen der Romantik. Im 19. Jahrhundert und vor allem kurz bevor der Film Horror-Funktionen übernahm, erfreuten sich Balladen, die wie Lieder vertont, jedoch gesprochen wurden, großer Beliebtheit. Komponisten wie Robert Schumann, Franz Liszt und Carl Loewe lieferten Noten, die Texte stammten von Theodor Fontane, Nikolaus Lenau, Johann Gottfried von Herder bis hin zu Friedrich Schiller.

Komödiantisches und dramatisches Talent war hier gleichermaßen gefragt, eine Kombination, die der Schauspieler und Pantomime Schwab hervorragend beherrscht. Wie eine Dickens'sche Figur mit riesigem Hut und ebensolchem Umhang gewandet, bedrohlich geschminkt und gekalkt, zog er stimmlich und gestisch alle Register: Mal flehend, mal drohend und mit hexischem Tonfall polterte Hans Schwab über das Mini-Podium, schlüpfte augenblicklich in eine andere Rolle, verwandelte sich - wenn verlangt - sogar für Sekunden in einen hernieder schwebenden Geier und baute selbst den Vorhang hinter der Bühne clever in seine Garderobe ein.

Neben der Wandlungsfähigkeit gefiel nicht zuletzt, wie der Vollblut-Mime weiträumig Spannung aufbaute und den Zuschauer bei Melodram-typischen Szenarien um Liebe, Lust und Leid, mit nächtlichen Reitern, traurig-finsteren Mönchen in unheilschwangeren Moor-Landschaften dermaßen packte, dass tatsächlich jene sprichwörtlichen wohligen Schauer den Rücken herunterrieselten.  Nicht zu unterschätzen auch der Beitrag der Pianistin: Anja Hoffmann, die sich schon mal schauspielernd beteiligte, entlockte dem bescheidenen Ostviertel-Klavier erfreulich voluminöse Klangfluten, ließ Bässe gefahrvoll grummeln, Tonkaskaden prasseln und verband sich mit Schwab in bestem Einvernehmen zu großen Dramaturgie-Bögen. Verdienter Riesenapplaus für ein Vergnügen, das hielt, was es versprach. 

Saarbrücker Zeitung
Stefan Uhrmacher


 Verkappte Ängste und verborgene Sehnsüchte im dunklen Reich des Todes

 Der Mime Hans Schwab brillierte in Altenstadts Kulturzentrum mit seinem Programm

ALTENSTADT. Zum Totengrund schickt der Pfeil auf dem Mühlstein den umherirrenden Gesellen einen schmalen Pfad hinab. Wer einmal dort war, am Fuß des Wilseder Bergs in der Heide, dem geht es wie dem Heideknaben; den Christian Friedrich Hebbel in seiner Ballade ins Verderben schickt. "Alles so still, alles so stumm. Man sieht sich vergebens nach Lebendigem um." Still wares auch im Saal geworden, auf der Bühne flackerndes Kerzenlicht, gebannte Blicke auf das bleiche Gesicht, das faszinierte und mit den Phantasien des Publikums auf'die Reise ging: Hans Schwäb war mit seinem melodramatischen Programm "Schaurig ... schön!" im AltenstädterTanz-' und Kulturzentrum Altes Kino (TaKuZAK) zu Gast. Für den Betreiber des früheren Lichtspielhauses, Gerhard Schaubach, ging mit dem Auftritt des Mimen, der seit 1981 in Ortenberg wohnt und bis vergangenes Jahr dort den Fresche Keller als gefragteste Kleinkunstbühne Hessens etablierte, ein Wunsch in Erfüllung. Das Wirken Schwabs sei mehr als nur Ansporn für Schaubach gewesen. "Mit dem Fresche Keller leistete er Pionierarbeit. Schwab hat mir vor Jahren den Mut gegeben, ein Projekt wie meine Bühne zu realisieren", ließ der Altenstädter Musiklehrer das Publikum wissen. Gerne hätte er den jetzt wieder freischaffenden Schauspieler, der mit einer Schauspiel- und Pantomimenausbildung an der Folkwang-Hochschule in Essen die Karriere begann, schon früher auf der Altenstädter Bühne begrüßt. Das Warten hatte sich gelohnt. Schwab entführte das Publikum auf melodramatische Reisen, die verborgene Sehnsüchte und verkappte Ängste weckte. "Schaurig ist's, über's Moor zu gehen, wenn die Heide raucht, wenn das Röhricht knistert."

Schwab baute verbal die Szenerie auf, schreckte nicht zurück, sich mit dem Bösen zu verbrüdern. Oder etwa doch nicht? Seine Frau und Regisseurin von "Schaurig ... schön!", Ronka Nickel, inszenierte ein Programm, das fesselte und lockte. Theodor Fontanes, Ballade "Die Brücke am Tay" etwa. Schwab schilderte den Kampf auf dem heißen Führerstand der Dampflok brachte auf der in düsteres Licht getauchten Bühne mit Worten den Kessel der Maschine fast zum Bersten und ließ die Brückners' Leut’  vor Angst erblassen. Mit dem Schalk im Nacken streute er Goethes "Totentanz" ein, der vom Türmer erzählt, der die Geister beim Trippeln und Trappeln und beim Kratzen an den Grüften beobachtet. Begnadet blieb Schwab freilich in der Rolle des mysteriösen Alten in Erinnerung, der vom Priester Medardos erzählte, der in den Bauch der Erde stieg, um einer zum Tod geweihten Hexe seelischen Beistand vor der Hinrichtung zu geben. Ähnlich wie beim Titel "Schaurig... schön!" sieht Ronka Nickel einen fabelhaften Gegensatz. "Das Hexenlied" von Ernst von Wildenbruch sei zwar literarisch nicht sonderlich anspruchsvoll. Was es aber mit dem Publikum anstelle, sei verblüffend. Bemerkenswert die Begleitung durch Pianistin Anja Hoffmann. Mit Max von Schillings' Musik für Pianoforte bewies sie Sonderklasse. Ihren Höhepunkt hatte die Pianistin in der Rolle von Edwards Mutter (Johann Gottfried von Herder). Hoffmann spielte die Ballade von Carl Loewe zum Ende des Abends, bediente sich krächzender Stimme, um ihren 'fluchenden Sohn mit gezielten Schüssen in jene Hölle zu schicken, in die er seine Familie sehnlichst wünschte.

Björn Leo (KA 07.04.03)


(Neckar – Enz – Zeitung)

Drei L – Liebe, Leid und Lust

Hans Schwab gastiert im Dreigiebelhauskeller Besigheim

(cb) – Schall und Rauch – im wahrsten Sinne des Wortes. Hans Schwab und seine Begleiterin am Klavier, Anja Hoffmann, verwandelten am Samstagabend den Dreigiebelhauskeller in einen brodelnden Hexenkessel.

Billige Comedy – um dies vorauszuschicken – ist Hans Schwabs Sache nicht. Er kommt vom Theater und spielt die Melodramen um Liebe, Leid und Lust, als wären es eigenständige Stücke. Gestik, Mimik und Aussprache, alles ist haarfein aufeinander abgestimmt. Kein Wunder, an der Folkwang-Hochschule in Essen hat er Schauspiel und Pantomime studiert, anschließend als Schauspieler an verschiedenen deutschen Theatern gearbeitet. Dabei ist Schwab nicht nur ein gestandener Theater-Profi, sondern beherrscht auch das Genre Kabarett.

„Schaurig...schön!“ lautet der aktuelle Programmtitel. Wer dahinter die trockene Rezitation verstaubter Melodramen vermutet, sieht sich schnell getäuscht. Schwabs Schauspielkunst, hin und wieder effektvoll unterstützt durch ein bisschen Mikrofon-Hall und etwas Qualm, ließ die Figuren aus den Balladen eines Fontane, Schiller oder Hebbel schaurig lebendig werden.

Dabei wirkt Hans Schwabs Witz zwischen den Balladenvorträgen unter der Regie von Ronka Nickel immer wieder entspannend, ohne ins Flache abzugleiten. Und er treibt seinen Schabernack mit dem Publikum, wenn er beispielsweise mit übereinander geschlagenen Beinen auf dem Pianoforte sitzt und in kurzen Abständen wortlos kleine Wassersalven in die vorderen Reihen speit. Eine glänzende Begleiterin hat Schwab in der Frankfurter Pianistin Anja Hoffmann gefunden, die bei „Edward“ – einem Text von Johann Gottfried von Herder – am Klavier selbst Teil der Performance wurde.

Fazit: Ein betont „schaurig...schöner Abend“, zu dem Charly Plumm-Hölderlin in seinen Dreigiebelhauskeller geladen hatte, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Hans Schwab ist eben kein Unbekannter in der Stadt.